Wie Hochsensible mit Angst umgehen können

Im Zentrum von Angst steht oftmals die Furcht vor Veränderungen, die Angst Kontrolle zu verlieren und das Bedürfnis nach Sicherheit. In letzter Instanz will uns die Angst vor dem Tod bewahren, denn sie ist unser großer Beschützer und es ist ihre Aufgabe bei Bedrohungen Großalarm zu schlagen. Manchmal ist die Angst jedoch bei hochsensiblen/hochsensitiven Menschen (HSM) übereifrig und nimmt ihre Aufgabe so erst, dass so gut wie alles Alarm auslöst.


 

Was die Angst mit dem Tod zu tun hat


Wenn ich mit meinen Klienten über die Angst spreche, dann sprechen wir auch immer über den Tod, denn er ist in letzter Instanz die Ursache unserer Angst. Uns vor dem Tod als Ende des Lebens zu bewahren ist jedoch nicht die einzige Motivation der Angst, denn wir erleben den Tod jeden Tag. Viele tägliche kleine Tode begleiten uns nämlich und je sensibler wir sind, desto mehr empfinden wir die Vergänglichkeit der Zeit. Vielleicht erfasst auch Sie eine gewisse Traurigkeit bei Geburtstagen, während der Ferien und am Ende eines schönen Tages, die zu dem Ereignis völlig unpassend erscheint. Schon bei hochsensiblen Kindern kann diese Erkenntnis der Vergänglichkeit tiefe Traurigkeit auslösen. Manchmal fragen Sie dann: „Mama, ist es wirklich so, dass diese Sekunde nie mehr wiederkommt?“

Viele kleine tägliche Tode bedeuten Abschied zu nehmen - Loszulassen von dem was war, denn unser Leben besteht aus einem Fluss von Veränderung, ohne diese die Zeit nicht fortschreiten würde. Dieser Wandel wird von unseren Gefühlen begleitet und wenn Sie an Gefühlen festhalten, dann widersetzen Sie sich diesem Naturgesetz und dem Leben. Sie haben Angst vor dem Leben, was bedeutet, dass Sie den kleinen Tod jeden Tag fürchten. Alle Angst lässt uns hoffen, dass unsere Erfahrungen anders sein mögen, aber dadurch wird es ganz und gar nicht besser, sonder schlimmer. Wir leben in einer Kultur, die den Tod fürchtet und ihn von uns trennen möchte, aber er ist mitten unter uns: wir erleben ihn in Form von Enttäuschungen, wenn die Dinge nicht so sind, wie wir sie haben möchten. Wir erleben ihn in der Form, dass Dinge immer im Fluss sind und nicht still stehen. Wenn der Tag endet, wenn die Sekunde zu Ende geht, wenn wir ausatmen, das ist der tagtägliche kleine Tod.

 


Die Vergänglichkeit ist ein Geschenk


Können Sie sich vorstellen, dass Sie Vergänglichkeit als Geschenk betrachten können? Stellen Sie sich bitte vor, wie Ihr Leben dann aussehen würde. Hätten Sie noch Angst vor dem Loslassen?

Es ist in Ordnung sich manchmal traurig zu fühlen, denn Traurigkeit ist ein Teil des Lebens, genauso wie Wut, Ärger, Liebe und Hass. Alle Gefühle haben ihren Sinn, denn sie wollen uns voranbringen, aber die Angst lässt uns manchmal still stehen und auf der Stelle treten. Wir sind starr vor Angst. Wir halten fest und können nicht loslassen. Wir versuchen vielleicht darüber hinwegzukommen indem wir die Angst wegschieben, aber sie geht nicht weg, denn wir müssen uns ihr stellen. In der Psychologie wird oftmals gesagt: „Da, wo die Angst ist, geht es lang“ und dies ist tatsächlich der Weg zur Gelassenheit und inneren Mitte. Was löst Ihre Angst aus? Das Bedürfnis nach Schutz, welches Sie vielleicht seit Ihren Kindertagen vermissen? Das Bedürfnis nach Wärme, Liebe und Vertrauen? Das Bedürfnis nach Anerkennung, Erfolg und Akzeptanz?

Lassen Sie diese Gefühle zu, ohne sie gleich mit „gut“ oder schlecht“ zu bewerten, sondern nehmen Sie sie zunächst einmal an. Betrachten Sie aufmerksam das, was in Ihnen vorgeht und nach einer Weile werden Sie feststellen, dass sich etwas in Ihnen entspannen wird und sich ein kleiner Raum öffnet. Viele dieser kleinen Räume führen in einen Zustand der Akzeptanz, wo Sie mit ihrem Leben in Einklang leben. Natürlich ist es nicht einfach dort hin zu gehen, wo Sie sich fürchten und wo es unangenehm ist, deshalb sollten Sie kleine Schritte in Form von täglichen Übungen gehen. Diese kleinen Räume, die Sie täglich besuchen eröffnen Ihnen die Möglichkeit Ihrer Angst anschließend das zu geben, was sie braucht. Die Angst soll sich beruhigen und nur im absoluten Notfall Großalarm auslösen, denn das ist ihre wahre Bestimmung.


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Mit besten Wünschen,

Ihre Birgit Trappmann-Korr