Hochsensibilität oder -sensitivität?

Trappmann-Korr: Was ist richtig? Hochsensitivität oder Hochsensibilität?

Im deutschsprachigen Raum wird die Bezeichnung für highly sensitive persons (HSP) uneinheitlich verwendet. Manchmal wird von Hochsensitivität geredet, oftmals allerdings von Hochsensibilität. Das liegt darin begründet, dass die Übersetzung des englischen Wortes "sensitive" nicht so ganz einfach ist. Es lässt sich nämlich auf die eine- und auf die andere Art übersetzen, beides hat sicherlich seine Berechtigung, so dass abschließend nicht gesagt werden kann, was "richtiger" ist.

 

 

Highly sensitive und die deutsche Übersetzung

 

Für unseren deutschsprachigen Kulturkreis ist der Begriff Hochsensibilität wesentlich gefälliger als Hochsensitivität, weil uns der erstere Begriff vertrauter ist und leichter über die Lippen kommt. Das Wort sensibel ist fast jedem geläufig, denn es bedeutet so viel wie empfindsam, feinfühlig, empfindlich oder gar reizempfindlich. Das spricht eindeutig für die Bezeichnung Hochsensibilität und ich persönlich verwende in meinen Artikeln, Vorträgen und bei Gesprächen diesen Terminus gerne.

 

Anders verhält es sich allerdings mit dem Wort sensitiv, denn im Gegensatz zu anglo-amerikanischen Ländern wird dieser Begriff im deutschsprachigen Raum kaum benutzt. Das Wörterbuch übersetzt ihn als feinnervig, überempfindlich, reizbar, aber im Grunde genommen ist man sich hierzulande nicht so ganz einig, was damit gemeint sein könnte. Was allerdings bei Sensitivität (im Gegensatz zu Sensibilität) mitschwingt, ist eine Wahrnehmungsfähigkeit über die klassischen 5 Sinne, wie Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und taktile Reizen, hinaus. Dazu gehören beispielsweise die Intuition, oder sogenannte Psi-Fähigkeiten, denn sie liegen jenseits dieser Klassifikation.

 

 

Was sagt die Wissenschaft?

 

Blickt man allerdings aus der Sicht der akademischen Psychologie auf diese beiden Begriffe, dann ist High Sensory Processing Sensitivity, wie es wissenschaftlich heißt, zunächst einmal ein Konstrukt, was sich aus bestimmten Parametern zusammensetzt und hergeleitet wird. Dieses Konstrukt hat eine bestimmte Aussage und Bedeutung und hier liegt der Hase im Pfeffer: mit dem deutschen Begriff Sensibilität kann dieses Konstrukt nur unzureichend beschrieben werden. Hier benötigt man den Terminus Sensitivität, in unserem Falle entsprechend Hochsensitivität.

 

 

Der Kompromiss

 

Ich persönlich habe für mich folgenden Kompromiss geschlossen: Wenn es "exakt" sein soll, beispielsweise bei bestimmten Artikeln, dann verwende ich Hochsensitivtät, wenn es um die leichtere Lesbarkeit oder die leichtere Aussprache geht, dann verwende ich Hochsensibilität. Ich nehme also beide Varianten. Das mag zwar uneinheitlich erscheinen, tut der Sache aus meiner Sicht jedoch keinen Abbruch. Es geht darum die Menschen anzusprechen, die »so-sind« und Aufklärung und Information über diesen besonderen Wesenszug zu vermitteln, nicht um Erbsenzählerei oder gar konkurrierende Lager. Beide Begriffe sind auf ihre Art "richtig", warum sollten wir daher nicht auch beide verwenden?

 

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Ihre Birgit Trappmann-Korr