Über Hochsensitivität / Hochsensibilität

Birgit Trappmann-Korr über Hochsensibilität als Gabe

Ca. 15 Prozent aller Menschen gelten als hochsensibel, d.h. jeder von uns hat hochsensible Menschen in seinem Umfeld. Die »Betroffenen« selbst wissen jedoch oft nicht, dass sie dieses Persönlichkeitsmerkmal in sich tragen. Oftmals wissen nur, dass sie sich schon immer irgendwie anders als die anderen gefühlt haben. Nicht selten fühlen sie sich dadurch ausgeschlossen und allein. Hochsensible sind hoch empfindsam, nehmen sich und ihre Umwelt, aber auch Stimmungen, intensiver und detaillierter wahr: Gesellige Runden, Lärm, laute Musik, Stress und grelles Licht können ihr Nervensystem überreizen.

 

 

Zur Geschichte

 

Vor ca. 8 Jahren erschien im deutschsprachigen Raum ein Buch mit der Titelfrage: »Sind Sie hochsensibel?«. Es stammte von der amerikanischen Psychologin Elaine Aron, die zu diesem Thema gemeinsam mit ihrem Mann geforscht hatte. Damit sprach sie vielen hochsensiblen Menschen aus der Seele, die sich bisher als über-sensibel, nicht belastbar, nicht in Ordnung und irgendwie »anders« gefühlt hatten. Sensory-Processing Sensitivity lautet der wissenschaftliche Ausdruck für die Persönlichkeitseigenschaft, die im deutschsprachigen Raum noch uneinheitlich als Hochsensibilität, Hochsensitivität und Hypersensibilität bezeichnet wird. Ohne nun im Detail auf die Begriffsverwirrung einzugehen, halte ich persönlich »Hochsensibilität« für das umgangssprachlich angenehmere Wort, während »Hochsensitivität« der wissenschaftlich exaktere Begriff ist. Hochsensible Menschen (HSM) nehmen vergleichsweise mehr Informationen aus der Umwelt auf, aber auch von sich selbst. Sie nehmen feine Einzelheiten in einem größeren Spektrum wahr, dabei spielt die Gefühlswelt eine große Rolle. Was HSM jedoch intensiver wahrnehmen, ist unterschiedlich. Der eine nimmt z. B. Gerüche, optische und akustische Eindrücke intensiver oder facettenreicher wahr, der andere bemerkt beispielsweise feine Nuancen in zwischenmenschlichen Beziehungen.

 

 

Ist Hochsensibilität Fluch oder Segen?

 

Zunächst einmal möchte ich festhalten, dass Hochsensibilität oftmals als Fluch erlebt wird, wenn diejenigen, auf die dieses Merkmal zutrifft, nicht darüber Bescheid wissen. Das Blatt wendet sich jedoch erfahrungsgemäß, wenn HSM sich und ihren Wesenszug erkennen und sich mit der eignen Persönlichkeit auseinandersetzen. Dann stellt sich zunächst eine gewisse Erleichterung ein, zwar »anders« zu sein, aber eben doch ganz normal. HSM lernen darauf hin, wie sie mit der Flut an Reizen umzugehen haben und arbeiten daran, sich abgrenzen zu können. Es liegt in der Natur der Sache, dass bei HSM die Informationsspeicher schneller voll und die Akkus schneller leer sind. Das hat jedoch nichts mit der allgemeinen Konstitution, einer psychischen Schwäche oder gar Krankheit zu tun! Von außen betrachtet scheinen HSM zwar weniger belastbar, von innen betrachtet sind sie wahre »Lastenträger«. Diese Komplexität und Stärke des Innenlebens wird von vielen HSM als Reichtum empfunden.

 

 

Hochsensibilität als Stärke

 

Ich persönlich bezeichne Hochsensibilität gerne als Wahrnehmungsbegabung. HSM haben einfach feine Antennen und »sehen« oder fühlen Dinge, die für ihre Mitmenschen nicht vorhanden sind. Viele HSM haben Vorahnungen (Präkognitionen), die später so, oder so ähnlich auch eingetreten sind. Diese Vorahnungen haben sie schon als Kinder und legen sich selbst eine gewisse Verantwortung dafür auf. Mache verbieten sich selbst zu »sehen« oder zu »träumen«, weil sie Angst haben, dass das, was sie sich angeblich ausdenken später wirklich passieren wird. Manche HSM sind hoch empathisch und können fühlen, was in anderen Menschen vorgeht. Auch zu Tieren oder Pflanzen (der Natur) können sie einen besonderen Zugang haben. Manchen HSM ist es ein tiefes Bedürfnis anderen zu helfen, sie können es kaum ertragen, wenn ein Lebewesen leidet. Große Gewissenhaftigkeit, bis hin zum Perfektionismus, begleitet viele Sensible, denn sie haben einfach ein Gespür dafür, wenn etwas nicht in Harmonie ist.

 

 

Bin ich vielleicht auch hochsensibel?

 

Wenn Sie sich fragen, ob Sie auch zu den HSM gehören, dann können Sie anhand von 23 Testfragen eine erste Einschätzung dazu bekommen. Sie finden den Test auf "Testfragen für Erwachsene"

 

Viel Freude damit,

Ihre Birgit Trappmann-Korr