3 Tipps für Hochsensible

Für Hochsensible (HSM) spielt die Gefühlswelt eine wichtige Rolle in ihrem Leben, weil Emotionen tief und vielschichtig erlebt werden. Die feinen Antennen sorgen dafür, dass Disharmonien sehr schnell bemerkt werden und das belastet oftmals ungemein. Für HSM ist es daher nicht nur eine Selbstverständlichkeit nett zu anderen zu sein und Gleiches zu erwarten, sondern geradezu eine Notwendigkeit, um die eigene Gefühlswelt und Stimmung in Balance zu halten. Dies gilt insbesondere am Arbeitsplatz.

 

Die Sucht nach Harmonie


HSM sind mitunter regelrecht harmoniesüchtig und ein freundlicher Umgang miteinander und das Bestreben anderen zu helfen und Unterstützung anzubieten bestimmt ihre Beziehungen. Sie möchten von anderen gemocht werden und bemühen sich Streit zu vermeiden, aber ist das immer gut?

Vermutlich werden Sie nun „Ja“ sagen, denn mit mehr Sensibilität und Empathie würde es in unseren sozialen Beziehungen friedfertiger und kooperativer zugehen, aber es gibt einen Punkt, an dem die ganze Sache kippt. Dann nämlich, wenn Sie sich selbst, und vielleicht auch Ihr Umfeld, mit diesem Verhalten mehr schaden als nützen. Emotionale Disharmonien und Verletzung tun ungemein weh, sind jedoch in unserer Gesellschaft an der Tagesordnung und besonders sensible Menschen leiden darunter und können es kaum ertragen. Mobbing, Bossing und Bullying sind nur die Spitze des Einbergs, denn wir leben noch in einer emotionalen Steinzeit. So sehr wie wir uns vielleicht auch bemühen Streit zu vermeiden und die Gefühle in Balance zu halten, der Alltag sieht meist anders aus. Wir tappen in die Harmonie-Falle und richten unser Leben danach aus, immer nett und freundlich zu anderen zu sein und merken oftmals gar nicht, dass wir uns selbst aus den Augen verlieren. Eigene Ziele und Vorsätze rücken in den Hintergrund und wir fühlen uns wie ein Schiff ohne Ruder auf tosender See. Wir sind immer für andere da und helfen, wo wir nur können, aber zu einem Helfer gehört auch immer derjenige, der Hilfe braucht und hier sollten wir erkennen, dass wir uns damit zuweilen selbst auf ein Treppchen stellen und es gelegentlich sogar übertreiben. Wir leben nicht mehr unser Leben, sondern haben die Steuerung aus der Hand gegeben. Wenn es Ihnen ähnlich geht, dann habe ich für Sie 3 Tipps, die Ihnen helfen werden aus der Harmonie-Falle auszusteigen.

 

 

 

 

Tipp Nr. 1: Bewusst machen.

 

Machen Sie sich bewusst, dass Sie vermutlich mehr Wert auf Harmonie legen als ein großer Teil Ihrer Mitmenschen. Machen Sie sich auch bewusst, dass Sie sich aus diesem Grund auch anders verhalten als ein großer Teil Ihrer Mitmenschen. Stellen Sie sich dazu bitte folgende Fragen:

 

 

 

  • Mögen Sie es gerne andere zu fragen, ob Sie helfen können?
  • Können Sie auf Wünsche anderer schlecht „Nein“ sagen?
  • Sind Sie immer zu nett und werden Sie anschließend enttäuscht?
  • Übernehmen Sie Gefälligkeiten, auch wenn dies Ihre eigenen Pläne durchkreuzt?
  • Fühlen Sie sich überfordert?
  • Fühlen Sie sich fremdbestimmt?
  • Wissen Sie nicht mehr, was Sie von sich selbst erwarten, aber wissen Sie ganz genau, was andere von Ihnen wollen?

 

 

 

 

 

Tipp Nr. 2: Veränderung wollen.

 

Wenn Sie etwas in Ihrem Leben ändern möchten, dann müssen Sie es zunächst unbedingt wollen. Was auf den ersten Blick ganz banal klingt, ist jedoch oftmals der Knackpunkt. Wir sind nämlich Gewohnheitstiere und mögen i.d.R. keine Veränderungen (auch wenn der bisherige Zustand uns schadet und es offensichtlich so nicht mehr weitergehen kann). Stellen Sie sich also bitte die Frage, ob Sie in Ihrem Leben die Balance zwischen Selbstbestimmung und der Harmonie-Falle herstellen wollen. Wollen Sie es wirklich? Wollen Sie in Zukunft Ihr eigenes Leben leben?

Ein klares „Ja“ ist die beste Voraussetzung dafür und beginnen Sie am Besten sofort mit der Umsetzung. Schreiben Sie dazu Ihre Wünsche auf ein Blatt Papier und vereinbaren Sie mit sich selbst, nicht immer sofort zu allem „Ja“ zu sagen. Fordern Sie Bedenkzeit ein und sagen Sie einfach mal „Nein“, ohne sich dafür zu entschuldigen. Akzeptieren Sie die Folgen, denn Sie werden vermutlich mehr Ärger mit anderen haben, bekommen jedoch dafür mehr Freude mit sich selbst. So ist das Leben in der emotionalen Steinzeit.

 

 

 

 

Tipp Nr. 3: Sinnvolle Vereinbarungen treffen.

 

Vereinbaren Sie mit sich selbst, dass Sie täglich Ihre Wünsche aufschreiben und danach handeln. Vereinbaren Sie mit sich selbst, dass Sie „Nein“ sagen üben und anderen Menschen erst dann Ihre Hilfe anbieten, wenn es Ihre Zeit erlaubt. Geben Sie diesen Vereinbarungen Sinn, indem Sie sich klar machen, dass Sie Ihre Kraft brauchen, um sich nicht länger ausgelaugt zu fühlen und vielleicht sogar aus diesem Grund Rücksicht von anderen erwarten müssen. Machen Sie sich klar, dass Sie sich vor emotionaler Überforderung schützen müssen und dadurch Energie gewinnen, um eigene Ziele zu erreichen, glücklich zu sein und sich zu entfalten.

 

 

Bedenken Sie, dass Sie nur für andere da sein können, wenn es Ihnen gut geht und in diesem Zusammenhang möchte ich Ihnen noch eine kleine Geschichte mit auf den Weg geben…

 

 

 

Ich fliege recht häufig mit dem Flugzeug und während der Sicherheitshinweise wird gesagt, dass im Falle eines Druckverlustes in der Maschine automatisch die Atemmasken von der Kabinendecke herunterfallen. Eltern werden dazu aufgefordert, sich selbst zuerst die Maske aufzusetzen und erst danach ihren Kindern den lebensnotwendigen Sauerstoff geben. Diese Aufforderung hat mich zunächst sehr entrüstet und als Mutter war es für mich keine Frage, dass ich meinen Kindern selbstverständlich zuerst die Atemmaske aufgesetzt hätte. Dann begann ich allerdings darüber nachzudenken und verstand, dass ich nur für meine Kinder da sein und etwas tun kann, wenn ich auch mein eigenes Leben denke. Wie ich allerdings im Erstfall reagieren würde, weiß ich ehrlich gesagt nicht und hoffe einfach nur, dass er nie eintritt. Auch Ihnen wünsche ich in diesem Sinne einen allzeit guten Flug!

Ihre Birgit Trappmann-Korr